Happy Birthday,

der Stadtjugendring Stuttgart wird 75!

Was haben Eric Clapton, Franz Beckenbauer, Helen Mirren und der Stadtjugendring Stuttgart gemeinsam?

Alle werden in diesem Jahr 75 Jahre alt!

Ein Grund zum Feiern und um einen kleinen Rückblick und Ausblick zu starten. Im Laufe des Jahres werden wir euch ein Stückchen SJR-Geschichte näher bringen.

Wir sind stolz, auf das was wir bis hierher geschafft haben. Aber es geht noch mehr.
Wir haben Lust auf die Zukunft und wollen auch euch dafür begeistern.

Was am 12.10.1945 klein anfing, ist mittlerweile zu einem großen Dachverband der
Stuttgarter Jugendverbände geworden. Aus 4 Gründungsmitgliedern wurden über 60 Mitgliedsorganisationen!

Unsere Erfolgsgeschichte begann am 12.10.1945 mit diesen vier:

  • Evangelische Jugendbewegung
  • Katholische Jugendbewegung
  • Verband für Sport- und Körperpflege
  • Schwäbische Volksjugend

Mit Wachstum kommt Verantwortung, so haben sich natürlich auch unsere Geschäftsbereiche im Laufe der Zeit gewandelt und erweitert.

Diese wollen wir euch in unserem Jubiläumsjahr 2020 vorstellen. Also freut euch auf interessante und spannende Monate mit uns.

Vom Ausländer*innen Referat zur Servicestelle „Vereinsentwicklung“

Die Zusammenarbeit mit Jugendgruppen mit Zuwanderungsgeschichte beim Stadtjugendring Stuttgart war und ist schon immer eine Erfolgsgeschichte. Seit 1980 tritt der SJR Stuttgart für ein starkes Miteinander in unserer Stadt ein. Mit dem Fachbereich Servicestelle Vereinsentwicklung gelingt es uns seit nunmehr 40 Jahren, Herausforderungen im gemeinsamen Miteinander zu benennen und Lösungen dafür zu erarbeiten und umzusetzen.

Ziel von interkultureller Arbeit beim SJR war und ist, dass gesellschaftliche Vielfalt in unserer Stadt berücksichtigt und anerkannt wird. Wir setzen uns für eine rassismuskritische Demokratiebildung ein. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Fremdheitserfahrungen in unserer Stadt werden von uns thematisiert und durch Angebote der Demokratiebildung gegengesteuert.

Im Wandel der Zeit – vom Ausländer*innen Referat zur Servicestelle „Vereinsentwicklung“
in sechs Stationen


Station 1 – Beginn der interkulturellen Arbeit beim SJR (1980)

1980 wurde das Jugendhilfeprogramm „zur Integration und Unterstützung von ausländischen Kindern und Jugendlichen“ gestartet. Ziel des damaligen Ausländer*innen Referat des SJR war es, Migrantenvereine pädagogisch zu belgleiten, sie zu qualifizieren, zu unterstützen und den Aufbau neuer Gruppen zu fördern.
Die Betreuung und Förderung dieser Gruppen basierte damals auf einer losen Anbindung an den Stadtjugendring. Um die Arbeit der Gruppen finanziell zu unterstützen, wurde 1981 mit dem Jugendamt Stuttgart, die „Richtlinien zur Förderung ausländischer Jugendgruppen“ geschaffen. In dieser Phase der „Sonderbetreuung“ durch das Ausländer*innen Referat im Stadtjugendring konnten sich die Gruppen stabilisieren, weiterentwickeln und vernetzen.

Station 2 – Verbindlichere Zusammenarbeit (1996)
In den 90er Jahren erfolgte der Beschluss, alle in loser Anbindung betreuten Gruppen bis Ende des Jahres 1996 aufzunehmen und künftig nur noch Gruppen zu fördern, die Mitglied im Stadtjugendring sind. So war es dem Stadtjugendring und seinen Mitgliedsverbänden möglich, einzelne Gruppen mit Zuwanderungsgeschichte näher kennen zu lernen. Umgekehrt hatten Vereine mit Zuwanderungs-geschichte die Möglichkeit, einen Einblick in die Selbstorganisation der verbandlich organisierten Interessenvertretung zu bekommen und selbst zu einem Teil davon zu werden.

             

Station 3 – Handlungsorientierung durch Interkulturelle Leitlinien (2001)
Um die Interkulturelle Öffnung der Geschäftsstelle des SJR Stuttgart als eine fortwährende Qualität und Aufgaben zu sichern und zu verankern, wurden im Dezember 2001 die interkulturellen Leitlinien von der Mitgliedsversammlung des SJR Stuttgart verabschiedet. Diese Leitlinien bildeten die Handlungsorientierung für die Ausgestaltung einer interkulturellen verbandlichen Jugendarbeit beim SJR Stuttgart.

Station 4 – Positionspapier „Integration ist keine Einbahnstraße“ (2011)
In unserem 2011 verfassten Positionspapier „Integration ist keine Einbahnstraße – Integration gelingend gestalten“ – stand nicht mehr allein die jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Mittelpunkt, sondern auch die aufnehmende Gesellschaft. Es war uns zu einseitig, dass immer nur darüber gesprochen wurde, was „die“ Bürger*innen mit Zuwanderungsgeschichte zur Integration leisten müssen, oder was sie auf keinen Fall tun dürfen um den gesellschaftlichen Integrationsgedanken nicht zu gefährden.

Es sollte in erster Linie daher nicht die Diskussionen geführt werden was „die Migrant*innen“ zu tun haben, oder was „die Deutschen“ tun sollen. Die Frage musste lauten: Wie soll unsere Gesellschaft aussehen in der wir gemeinsam leben? Wie können wir das gemeinsam erreichen? Gegenseitige Wertschätzung kann nur funktionieren, wenn alle Menschen in der Gesellschaft zu deren gelingen beitragen.

Station 5 – Konkretisierung der Leitlinien „Interkulturelles Verständnis des SJR Stuttgart“ (2016)
Der Wandel im Integrationsdiskurs und eine Überprüfung der im Jahr 2001 erstellten interkulturellen Leitlinien haben uns 2106 veranlasst, unsere Leitlinien zu konkretisieren und an die Arbeit mit unseren Mitgliedsvereinen bzw. -verbände anzupassen.
Unser interkulturelles Verständnis 2016, nahm dabei drei Ebenen in den Blick. Die individuelle (persönliche) Ebene jedes einzelnen SJR-Mitglieds, die strukturelle Ebene jeder einzelnen SJR- Mitgliedsorganisation (Jugendverband, -verein, -gruppe) und die Ebene der Vernetzung.

Auf individueller oder persönlicher Ebene sollten Voraussetzungen für ein gelingendes Zusammenleben geschaffen werden. D.h. Anerkennung von Vielfalt, Fördern von Chancengleichheit und eine gelebte Toleranz.

Auf struktureller Ebene spielte für uns die interkulturelle Öffnung bei traditionellen Vereinen eine tragende Rolle. Auch die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für Mitgliedsverbände bzw. -vereine aber auch die Beratung und Unterstützung von Nichtmitgliedern beim Aufbau und bei der Gründung von Selbstorganisationen wurde weiterhin als eine verlässliche Kernaufgabe beim SJR Stuttgart gesehen.

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen traditionellen Vereinen und Vereinigungen von Menschen mit Zuwandergeschichte wurde auf der Ebene der Vernetzung fokussiert. Das Ermöglichen von Begegnungen war ein Schlüssel für gegenseitige Wertschätzung.

Station 6 -Umbenennung in Servicestelle „Vereinsentwicklung“ (2018)
Unser  interkulturelles Selbstverständnis war ein wichtiger Schritt um unsere interkulturellen Kernaufgaben deutlicher zu identifizieren. Bei der Bearbeitung dieser interkulturellen Kernaufgaben, hat sich schnell gezeigt, dass eine Unterscheidung in sogenannten „traditionelle Vereine“ (wie z.B. Jugendfeuerwehr, Jugendrotkreuz, etc.) und „Vereine mit einer Zuwanderungsgeschichte“ (wie z.B. kroatische, türkische oder griechische Jugend) nicht mehr zeitgemäß ist.

In unseren Mitgliedsorganisationen mit einer Zuwanderungsgeschichte sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene engagiert, die zum größten Teil in Stuttgart aufgewachsen sind und in Stuttgart sozialisiert wurden. Sie sind in Stuttgart zur Schule gegangen, haben eine Ausbildung bzw. Studium abgeschlossen und sind somit beruflich und privat stark in Stuttgart verwurzelt. Mit einer vielfältigen Stuttgarter Gesellschaft ist diese Generation von Stuttgartern bestens vertraut.

So sind Förderprogramme, die ausschließlich zum Ziel haben, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Stadtgesellschaft stärker zu integrieren, für viele unserer Vereine mit Zuwanderungsgeschichte wenig attraktiv. Attraktiver sind Förderprogramme, die an den Bedarfen der Vereine ausgerichtet sind. Förderprogramme zum Beispiel, die Helfen geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um auch zukünftig Jugendarbeit in den Vereinen durchzuführen.

Herausforderungen die sich heute Jugendverbände, -vereine und -gruppen stellen müssen, betreffen alle Jugendorganisationen in der Jugendverbandsarbeit, und haben nur noch bedingt mit einer möglichen Zuwanderungsgeschichte zu tun.

Die folgenden beispielhaften vier Herausforderungen verdeutlichen dies:


1. Engagierte und aktive Ehrenamtliche gewinnen

Jugendliche bzw. junge Erwachsene, in Zeiten von Ganztagesschule und G8 für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern, ist für alle Jugendorganisationen eine Herausforderung. Beispielsweise wirkt sich die geänderte Engagementbereitschaft von jungen Menschen schon heute bei der ehrenamtlichen Mitarbeit im Jugendverband bzw. -verein aus.  Hier gilt es Strategien zu entwickeln um diesen gesellschaftlichen Trends Rechnung zu tragen.

2. Geeignete Rahmenbedingungen schaffen
Auch geeigneten (bezahlbare) Räum in Stuttgart zu finden ist für die verbandliche Jugendarbeit schon immer schwierig bzw. fast unmöglich. Abhilfe kann ein eigenes „Haus des Engagements“ für Stuttgart bieten, das Verbänden und Vereinen ohne eigene bzw. geeignete Räume die notwendigen verlässlichen Arbeitsmöglichkeiten gibt.

3. Wertekommunikation
Eine stärkere Anerkennung von Vielfalt, das Fördern von Chancengleichheit und eine gelebte Toleranz ist Aufgabe jeder einzelnen Person in unserer Gesellschaft. Auch hier liegt unser Fokus bei der Unterstützung sich sozialen und interkulturellen Kompetenzen aneignen zu können. Im Zentrum steht somit eine Werte Diskussion mit jungen Menschen, unabhängig von einer möglichen Zuwanderungsgeschichte.

 4. Rassismuskritische Demokratiebildung
Rechtsextremismus hat viele Gesichter. Es ist kein Problem, welches sich auf bestimmte gesellschaftliche Bereiche reduzieren lässt. Jugendvereine bzw. -verbände, unabhängig einer möglichen Zuwanderungsgeschichte, müssen dafür einstehen, ein Zusammenleben aller Menschen unter der Bedingung der gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung in unserer Stadt zu ermöglichen.
Der Stadtjugendring wendet sich gegen faschistische Tendenzen und tritt für eine pluralistische und freie Gesellschaft ein. Wir setzen uns für eine rassismuskritische Demokratiebildung ein. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Fremdheitserfahrungen in unserer Stadt werden thematisiert und durch Angebote der Demokratiebildung entgegengesteuert.

Jörg Sander, Bildungsreferent
Servicestelle Vereinsentwicklung und Fortbildungen