Servicestelle Vereinsentwicklung

Einstimmiger Beschluss der SJR Mitgliedsvereine & -verbände für Umbennung

Auf der letzten Mitgliederversammlung des SJR Stuttgart im März 2019, wurde einstimmig von den Mitgliedsvereinen & -verbänden des SJR Stuttgart beschlossen, dass der Fachbereich „Interkulturelle Aufgaben“ in Servicestelle „Vereinsentwicklung“ umbenannt wird.

Dabei handelt es sich keineswegs nur um eine Umetikettierung der Fachbereichsbezeichung. Ein 2jähriger Beteiligungsprozess ging der Umbennung voraus. 

Im Wandel der Zeit – vom Ausländer*innen Referat zur Servicestelle „Vereinsentwicklung“ 

Die Zusammenarbeit mit Jugendgruppen mit Zuwanderungsgeschichte beim Stadtjugendring Stuttgart war und ist schon immer eine Erfolgsgeschichte. Seit 1980 tritt der SJR Stuttgart für ein starkes Miteinander in unserer Stadt ein. Mit dem Fachbereich Interkulturell Aufgaben beim SJR Stuttgart gelingt es uns seit über 35 Jahren, Herausforderungen im gemeinsamen Miteinander zu benennen und Lösungen dafür zu erarbeiten und umzusetzen. Dabei hatten die gesellschaftlichen Veränderungen in Stuttgart schon immer Auswirkungen auf die Arbeit des SJR Stuttgart.

1980 wurde das Jugendhilfeprogramm „zur Integration und Unterstützung von ausländischen Kindern und Jugendlichen“ gestartet. Ziel des damaligen Ausländer*innen Referat des SJR war es, Migrantenvereine pädagogisch zu belgleiten, sie zu qualifizieren, zu unterstützen und den Aufbau neuer Gruppen zu fördern. Die Betreuung und Förderung dieser Gruppen basierte damals auf einer losen Anbindung an den Stadtjugendring.

Um die Interkulturelle Öffnung der Geschäftsstelle des SJR Stuttgart als eine fortwährende Qualität und Aufgaben zu sichern und zu verankern, wurden im Dezember 2001 die interkulturellen Leitlinien von der Mitgliedsversammlung des SJR Stuttgart verabschiedet. Diese Leitlinien bildeten die Handlungsorientierung für die Ausgestaltung einer interkulturellen verbandlichen Jugendarbeit beim SJR Stuttgart.

Der Wandel im Integrationsdiskurs und eine Überprüfung der im Jahr 2001 erstellten interkulturellen Leitlinien haben uns 2016 veranlasst, unsere Leitlinien zu konkretisieren und an die Arbeit mit unseren Mitgliedsvereinen bzw. -verbände anzupassen.Unser interkulturelles Verständnis 2016, nahm dabei drei Ebenen in den Blick. Die individuelle (persönliche) Ebene jedes einzelnen SJR-Mitglieds, die strukturelle Ebene jeder einzelnen SJR- Mitgliedsorganisation (Jugendverband, -verein, -gruppe) und die Ebene der Vernetzung.

Warum nun die Umbennung in Servicestelle „Vereinsentwicklung“?

Unser  interkulturelles Selbstverständnis war ein wichtiger Schritt um unsere interkulturellen Kernaufgaben deutlicher zu identifizieren. Bei der Bearbeitung dieser interkulturellen Kernaufgaben, hat sich schnell gezeigt, dass eine Unterscheidung in sogenannten „traditionelle Vereine“ (wie z.B. Jugendfeuerwehr, Jugendrotkreuz, etc.) und „Vereine mit einer Zuwanderungsgeschichte“ (wie z.B. kroatische, türkische oder griechische Jugend) nicht mehr zeitgemäß ist. 

In unseren Mitgliedsorganisationen mit einer Zuwanderungsgeschichte sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene engagiert, die zum größten Teil in Stuttgart aufgewachsen sind und in Stuttgart sozialisiert wurden. Sie sind in Stuttgart zur Schule gegangen, haben eine Ausbildung bzw. Studium abgeschlossen und sind somit beruflich und privat stark in Stuttgart verwurzelt. Mit einer vielfältigen Stuttgarter Gesellschaft ist diese Generation von Stuttgartern bestens vertraut.

So sind Förderprogramme, die ausschließlich zum Ziel haben, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Stadtgesellschaft stärker zu integrieren, für viele unserer Vereine mit Zuwanderungsgeschichte wenig attraktiv. Attraktiver sind Förderprogramme, die an den Bedarfen der Vereine ausgerichtet sind. Förderprogramme zum Beispiel, die Helfen geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um auch zukünftig Jugendarbeit in den Vereinen durchzuführen.   

Herausforderungen die sich heute Jugendverbände, -vereine und -gruppen stellen müssen, betreffen alle Jugendorganisationen in der Jugendverbandsarbeit, und haben nur noch bedingt mit einer möglichen Zuwanderungsgeschichte zu tun. Die Gewinnung von engagierten und aktiven Ehrenamtlichen, die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen, eine Werte Diskussion mit jungen Menschen (unabhängig von einer möglichen Zuwanderungsgeschichte) oder eine rassismuskritische Demokratiebildung, steht beispielhaft für diese Herausforderungen.

Gleichberechtigte Teilhabe und Teilnahme

Es ist uns bewusst, dass die gleichberechtige Teilhabe und Teilnahme, also das Mitmachen und Mitbestimmen aller Stuttgarter Mitbürger*innen nach wie vor eine der großen Herausforderung in unserer Stadt  ist, und für die wir weiterhin einstehen werden.

Auch zukünftig finden bei unserer Arbeit die unterschiedlichen Aus- und Zugangsvoraussetzungen von jungen Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte in Stuttgart eine hohe Berücksichtigung. 

Wir setzten uns auch weiterhin für eine pluralistische und freien Gesellschaft ein, in der alle Menschen die gleichen Chancen bekommen.

Ziel der Servicestelle Vereinsentwicklung bzw. Kurzbeschreibung des Aufgabengebiets

Die Servicestelle „Vereinsentwicklung“ unterstützt  Jugendverbände, Jugendgruppen und Jugendinitiativen aus Stuttgart. Als wichtigstes Merkmal gilt die Sicherung der Arbeitsgrundlagen unserer Mitgliedsorganisationen. Die Begleitung und Unterstützung unsere Mitgliedsorganisationen bei individuellen Veränderungsprozessen hat eine hohe Priorität.

Die Servicestelle „Vereinsentwicklung“ hilft durch eine verlässliche und kontinuierliche Begleitung, gemeinsam Ideen und Visionen zu entwickeln, um die Arbeit unserer Mitgliedsorganisationen zukunftsfähig zu gestalten. Das Erarbeiten von Vorlagen für Themen, denen sich Vereine zukünftig verstärkt gegenüberstehen werden, ist ebenfalls Aufgabe der Servicestelle „Vereinsentwicklung“.

Ansprechpartner für die Servicestelle „Vereinsentwicklung“ ist der Kollege Jörg Sander